Adventisten leben länger

Die zweite Station meiner Reise zu den Langlebigen rund um den Globus führte mich ins sonnige Kalifornien, genauer gesagt nach Loma Linda, zu den Adventisten. Als Adventisten (von lat. adventus „Ankunft“) werden die Anhänger einer christlichen Erweckungsbewegung bezeichnet, die in Kalifornien besonders stark vertreten ist. Fast alle Adventisten rauchen nicht, trinken keinen Alkohol und bewegen sich regelmäßig. Eine zentrale Rolle im Alltag eines Adventisten spielt die gegenseitige Unterstützung, das Verständnis für die Lage anderer und die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen.

Der gesundheitsorientierte und sozial geprägte Lebensstil der Adventisten ist in den Vereinigten Staaten von Amerika wahrlich eine Besonderheit. Und bleibt nicht ohne positive gesundheitliche Auswirkungen: Männliche Adventisten leben Studien zufolge 6,2 Jahre länger als der durchschnittliche US-Amerikaner, weibliche Adventisten immerhin 3,7 Jahre länger.

Mein Tag mit Dr. Gary Fraser
Besonders nachhaltigen Eindruck im Rahmen meines Besuchs bei den Adventisten hat auf mich mein Treffen mit Dr. Gary Fraser von der Universität Loma Linda hinterlassen. Was ursprünglich als kurzes Treffen von ca. 30 Minuten angesetzt war, wurde letztendlich zu einem spannenden Tag, den ich mit dem bekannten Forscher verbringen durfte. Das Gespräch mit ihm war großartig. Sein absolutes Lieblingsthema ist die Ernährung und man merkt schnell, dass sein Beruf auch zugleich Berufung ist.

Als Epidemiologe hat Fraser auf den ersten Blick viel mit dem Ende des Lebens, dem Tod, zu tun. Oder wie er es selbst ausdrücken würde: mit dem Warten auf den Tod. Bei seinen Untersuchungen hat er sich ausgiebig mit der Frage beschäftigt, welche Rückschlüsse man aus der Sterblichkeit bestimmter Personengruppe auf die Gründe ziehen kann, die unser Ableben beeinflussen. Diese Faktoren sind natürlich gleichzeitig auch dazu geeignet, unsere Langlebigkeit positiv zu beeinflussen. Genau das macht seine Ergebnisse auf der Suche nach den 100-Jährigen so spannend! Dabei malt Fraser kein Bild von schwarz und weiß. Vielmehr geht es darum, Nahrungsmittel in eher gut (Lebensmittel) und eher schlecht (Ablebensmittel) einzuteilen.

Wer sich an diese einfache Regel hält, tut nachweislich Gutes für seine Gesundheit und macht einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum „Weltmeister des Lebens“. Und wer sich zusätzlich etwas Gutes tun möchte, der integriert auch andere Lebensweisheiten der Adventisten in seinen Alltag, wie die Reduktion von Fleischgenuss, Alkohol und Nikotin. Auch dass man sich regelmäßig mehr im Alltag bewegen sollte ist etwas, das man von den Adventisten lernen kann. Unabhängig von den eigenen ethisch-religiösen Ansichten und Lebensweisen.

Praktische Orientierung auf dem Weg zu echten „Überlebensmitteln“ bietet das Ernährungs-Rad, das wir in der letzten Ausgabe von „Weltmeister des Lebens“ näher vorgestellt haben. Hier geht’s zum Artikel.

Was die Wissenschaft dazu sagt
Auf der Suche nach konkreten Erklärungen startete man an der Universität von Loma Linda bereits 1974 die groß angelegte Adventist Health Study (AHS-1), bei der bis 1988 rund 34.000 Adventisten befragt und beobachtet wurden. Mit deutlichen Ergebnissen: Die Befragten zeichneten sich durch einen hohen Anteil von Nichtrauchern bzw. Alkoholabstinenzlern aus, geringem Fleischkonsum, regelmäßigem Verzehr von Nüssen, viel Bewegung und wenig Übergewicht. 2002 ging die Untersuchung dann in die nächste Runde: Nun wurden knapp 100.000 Probanden ausgewertet. Die Ergebnisse bestätigten klar die in der ersten Runde als gesundheitsfördernd festgehaltene Faktoren.

Im Detail ergeben sich im Rahmen der Studien zusätzlich zu den bereits bekannten Lebensgewohnheiten der Adventisten (Alkohol- und Nikotinabstinenz, geringer Fleischkonsum, viel Bewegung, starkes soziales Umfeld) einige weitere konkrete Ernährungsempfehlungen wie z. B.: Verzehr von Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten (statt Auszugsmehlen) sowie von Tomaten und Sojamilch (statt Kuhmilch) und die Zufuhr von Wasser als Durstlöscher Nummer 1.